Junge Frau geht im Wald spazieren.

Akute oder chronische Schmerzen? Jeder Schmerz ist real

Der akute Schmerz hat in der Regel eine klar erkennbare Ursache und ist aufgrund seiner Funktion als lebenswichtiges Körpersignal ein wichtiger Helfer, da er uns zeigt, dass etwas nicht stimmt: aufgrund einer Reaktion auf den Schmerz werden verletzte bzw. beeinträchtigte Organe und Körperteile geschont und weitere Schädigungen vermieden. Akute Schmerzen treten zum Beispiel bei Zahnproblemen, Verletzungen, Muskelverspannung, Sonnenbrand, Gallenkolik oder Herzinfarkt auf. Bei solchen Schmerzen besteht meistens die Tendenz zur Selbstheilung oder sie klingen durch Schonung, frühzeitigen Schmerzmittelgebrauch und eine entsprechende Physiotherapie bald wieder ab.

Als chronische Schmerzen bezeichnet man Beschwerden, die anhaltend oder wiederkehrend länger als drei Monate bestehen. Der chronische Schmerz ist zumeist kein sinnvolles Alarmsignal mehr, das auf eine Schädigung des Körpers bzw. klar erkennbare Ursachen hindeutet. Wenn der Schmerz schließlich zunehmend zu körperlichen, psychischen und sozialen Einschränkungen führt, spricht man von einer eigenständigen chronischen Schmerzkrankheit.

In Österreich gibt es etwa 1,8 Millionen Menschen die an chronischen Schmerzen leiden (Schmerzbericht Wien 2018). Deren Leidensgeschichte dauert bei 20% der Betroffenen oft auch über 20 Jahre, bis ihnen adäquat geholfen wird. Häufig fühlen sich die Betroffenen alleine gelassen, missverstanden und dies wirkt sich mit der Zeit immer negativer auf den Arbeitsalltag und das Familienleben aus. Denn neben dem Dauerschmerz leiden Betroffene zunehmend an körperlichen Einschränkungen, depressiver Stimmung, angstvollen Gedanken, Schlafstörungen, Gereiztheit und Konzentrationsproblemen. Nur wenn rechtzeitig Risikofaktoren eines chronischen Verlaufes erkannt werden, um frühzeitig gegenzusteuern, kann ein chronischer Verlauf verhindert werden. Für die Chronifizierung von Schmerzen spielen psychische und soziale Belastungen eine größere Rolle als die körperlichen Faktoren oder Befunde.

 

Wie voll ist Ihr Fass schon?

Durch Erlebnisse in der Kindheit (Traumatisierungen) kann sich schon sehr früh eine unterschiedlich hohe, individuelle Grundanspannung beim Menschen entwickeln. Im weiteren Leben können viele zusätzliche Stress-Faktoren hinzukommen und „das Fass“ zum Überlaufen bringen. Je „voller das Fass“ desto eher kommt es zu einer Chronifizierung des Schmerzes. Aber, nicht jeder Stress macht krank. Stress macht immer dann krank, wenn er nicht mehr ausreichend bewältigt und abgebaut werden kann!

Behandlungsziele

Als Privatklink für den Fachbereich Rehabiliation psychischer Erkrankungen und speziell in der multimodalen Schmerztherapie haben wir es uns zum Ziel gesetzt, den Menschen zu befähigen, besser mit Schmerzen und dem Leben zurechtzukommen. Erlangen Sie wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, nehmen Sie wieder aktiv am Leben teil und lernen Sie durch Verhaltensänderungen, Ihren Schmerz zu beeinflussen.

Schmerzbehandlung in der Privatklinik Hollenburg

Die Behandlung in der psychiatrischen Privatklinik Hollenburg erfolgt stationär über einen Zeitraum von sechs Wochen. Für Schmerzpatienten wird eine multimodale Schmerztherapie angeboten, hierbei handelt es sich um ein ganzheitlich orientiertes, umfassendes Behandlungskonzept unter Zusammenarbeit mehrerer Fachgruppen. Um eine optimale Versorgung zu ermöglichen, arbeiten Ärzte unter anderem mit Physiotherapeuten, als auch Psychotherapeuten bzw. Psychologen und Ergotherapeuten zusammen.

Die 5 Säulen der Behandlung

Psychoedukation und Schulungen

Schmerzbesserung setzt Wissen voraus. Patienten erhalten Informationen auf Basis des biopsychosozialen Krankheitsmodells mit Inhalten zur Schmerzerkrankung und Bezug zur ihrer individuellen Problematik. Wissen hilft, zu verstehen, worunter man leidet und wie der eigene Körper funktioniert. Nur wer den Sinn einer Maßnahme für sich erkannt hat, ist auch motiviert etwas zu verändern und diese Veränderung kann der Weg aus der Schmerzspirale sein.

Physiotherapie und Bewegungstherapie

Kurzfristige Schonung ist bei akutem Schmerz durchaus sinnvoll, aber bei chronischem Schmerz führt eine zu lange Schonung zu noch mehr Schmerzen und zunehmenden Einschränkungen der Mobilität. Andererseits kann auch „ein zu viel“ an Bewegung schmerzverstärkend sein. Ein wichtiges Ziel der Bewegungstherapie ist die Entkopplung zwischen Schmerz und Aktivität, um wieder aktiv werden zu können. Durch ein Körperwahrnehmungstraining zur differenzierten Symptomwahrnehmung bzw. Erfassung eigener Leistungsgrenzen kann eine Balance zwischen Schonung und übermäßiger Aktivität wiederhergestellt werden.

Einzel- und Gruppenpsychotherapie

In der therapeutischen Arbeit werden u.a. folgende wichtige Themen behandelt: Den Unterschied lernen zwischen Schmerz und Gefühl, das Sprechen über belastende Ereignisse, erlebten Kränkungen oder Traumatisierungen, das Nein-Sagen lernen, konfliktfähiger werden, sich wieder mehr Zeit nehmen für sich selbst und Pausen genießen können oder den Perfektionismus abbauen.

Ärztliche Betreuung und Medikation

Neben der ärztlichen Aufklärung und begleitenden Betreuung durch ein kompetentes ärztliches Team kann eine individuelle Anpassung der Medikamente und Optimierung von Schmerzbehandlungen erfolgen. Auch Antidepressiva sind wirksame Medikamente zur Schmerzreduktion. Sie haben eine stimmungsaufhellende und antriebsverbessernde oder auch schlafverbessernde Wirkung und beeinflussen die Schmerzwahrnehmung positiv.

Schmerztherapiegruppe

Mit Anleitung von Psychotherapeuten bzw. Psychologen werden mit Übungen individuelle Möglichkeiten erarbeitet, um Einfluss auf den Schmerz zu nehmen bzw. mehr Selbstwirksamkeit zu erleben. Das soziale eingebunden sein in der Patientengruppe kann selbstwertstärkend wirken und die soziale Sicherheit wieder verbessern. Auch kann man von den anderen in der Gruppe lernen.

Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen

Ein wichtiger schmerzreduzierender Faktor ist der Abbau von negativem Stress und vorhandener Schlafprobleme durch das Nehmen von Auszeiten oder das Lernen entsprechender Entspannungsübungen oder Atemtechniken.

Zusätzliche Angebote und Therapieverfahren:

  • NADA-Ohrakupunktur zur Entspannung und Stressreduktion
  • Moxa-Wärmetherapie Lampe zur Schmerzreduktion
  • TENS-Strom- und Ultraschallbehandlung zur Schmerzreduktion
  • Scenar-Schmerztherapie ist eine Form von Elektrotherapie. Dabei werden dem Nervensystem elektrische Impulse über die Haut appliziert
  • Biofeedbacktraining zur Reduktion von Angst und Schlafstörungen
  • Trauma-Stabilisierungsgruppe für Menschen mit zusätzlichen traumatischen Erfahrungen
  • Moor- und Massageanwendungen können zur Schmerzreduktion und Entspannung beitragen
  • Sozialarbeiterische Beratung kann für Unterstützungsangeboten oder zur Arbeitsintegration bzw. zum Aufbau eines ambulanten Helfernetzes angeboten werden
  • Orthomolekulare Beratungen können bei Interesse ergänzend angeboten werden. Ziel ist die Optimierung von Mikronährstoffen, um damit Entzündungsprozesse zu reduzieren bzw. den Energiehaushalt zu verbessern und somit Schmerzen positiv zu beeinflussen

 

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