Zu Beginn richtete Prim.a a.D. Dr.in Eva Kronberger-Schaffer einige Grußworte an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die langjährige Ärztliche Leiterin der Privatklinik Laßnitzhöhe, die das Haus bis Ende 2025 geführt hat, blickte auf die Entstehungsgeschichte des Projekts zurück und schilderte die Entwicklung des österreichischen CI-Rehabilitationsangebots von den ersten Konzepten bis zur heutigen strukturierten Versorgung. Sie begleitete die Entwicklung des Programms von Beginn an maßgeblich mit und ordnete dessen Bedeutung für die österreichische Rehabilitationslandschaft ein.
Operation als Beginn eines Lernprozesses
Priv.-Doz. DDr. Matthias Koiner-Graupp beleuchtete die Versorgung von Cochlea-Implantat-Trägerinnen und -Trägern aus HNO-ärztlicher Sicht. Als langjähriger Begleiter des Projekts, unterstützt er die Entwicklung des CI-Rehabilitationsprogramms seit dessen Entstehung im Jahr 2022 in unterschiedlichen Funktionen. Heute ist als niedergelassener HNO-Facharzt tätig, operiert im SANLAS Privatklinikum Leech und steht der Privatklinik Laßnitzhöhe als konsiliarischer Facharzt zur Verfügung.
In seinem Vortrag wurde deutlich, dass die Implantation zwar die technische Voraussetzung für das Hören schafft, der eigentliche Rehabilitationsprozess jedoch erst danach beginnt. „CI ist keine Brille“ – Hören und Verstehen müssen nach einer Cochlea-Implantation neu erlernt werden. Internationale Erfahrungen und aktuelle Daten zeigen, dass Patientinnen und Patienten unabhängig von Alter oder Dauer der Hörbeeinträchtigung von einer strukturierten Rehabilitation profitieren können.
Dabei wurde auch die zentrale Rolle der Rehabilitation innerhalb des gesamten Versorgungsprozesses hervorgehoben. Die Operation stellt den ersten Schritt dar, die nachhaltige Nutzung der neuen Höreindrücke entsteht jedoch erst durch den anschließenden Lern- und Anpassungsprozess.
Interdisziplinäre Rehabilitation in der Privatklinik Laßnitzhöhe
Prim.a Dr.in Gislind Döhrn, Ärztliche Leiterin der Privatklinik Laßnitzhöhe, stellte das aktuelle interdisziplinäre Behandlungskonzept für CI-Trägerinnen und CI-Träger vor. Die stationäre Rehabilitation erfolgt im Rahmen der neurologischen Rehabilitation und verbindet medizinische, therapeutische und psychosoziale Maßnahmen.
Zum Kernangebot zählen intensive logopädische Einzel- und Gruppentherapien, Musiktherapie, audiometrische Kontrollen sowie neurologische und HNO-fachärztliche Begleitung. Ergänzend können bei Bedarf Physiotherapie, klinisch-psychologische Betreuung und weitere rehabilitative Leistungen verordnet werden.
Die Rehabilitation orientiert sich dabei nicht ausschließlich am Hören selbst, sondern an den Auswirkungen der Hörbeeinträchtigung auf Kommunikation, Alltagsbewältigung, soziale Teilhabe und die Verarbeitung neuer Höreindrücke. Damit folgt sie dem Grundgedanken neurologischer Rehabilitation, Funktionen wiederherzustellen, Selbstständigkeit zu fördern und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nachhaltig zu verbessern.
Vom Hören zum Verstehen
Wie die Rehabilitation im Alltag konkret umgesetzt wird, erläuterte Thorsten Seifter, Logopäde und Projektleiter der CI-Hörrehabilitation an der Privatklinik Laßnitzhöhe.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht allein das Hörtraining, sondern ein umfassender therapeutischer Ansatz aus Sprachverstehenstraining, Technikschulung und der psychosozialen Verarbeitung des neuen Hörens. Trainiert werden unter anderem das Erkennen und Verstehen von Sprache, die Wahrnehmung von Alltagsgeräuschen, das Telefonieren, das Hören in geräuschvoller Umgebung sowie die Nutzung technischer Hilfsmittel. Ergänzt wird das Angebot durch musiktherapeutische Inhalte, die das Wahrnehmen von Rhythmus, Klang und Tonhöhen fördern.
Die stationäre Rehabilitation bietet dabei die Möglichkeit, medizinische Betreuung, audiologische Begleitung, Hör- und Sprachtherapie, Technikschulung sowie psychologische Unterstützung eng miteinander zu verzahnen. Fragestellungen und Herausforderungen, die im Verlauf der Rehabilitation auftreten, können unmittelbar aufgegriffen werden. Die verschiedenen Berufsgruppen stimmen ihre Maßnahmen laufend aufeinander ab und begleiten die Patientinnen und Patienten gemeinsam durch die unterschiedlichen Phasen des Anpassungs- und Lernprozesses.
Ziel ist es, Menschen dabei zu unterstützen, Sprache wieder sicher zu verstehen, Höranstrengung zu reduzieren und die Teilhabe am beruflichen und sozialen Leben zu verbessern. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass insbesondere die enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen wichtige Lern- und Anpassungsprozesse fördern kann. Seit Beginn des Projekts wurden in der Privatklinik Laßnitzhöhe bereits zahlreiche erwachsene CI-Trägerinnen und CI-Träger betreut. Die erzielten Verbesserungen beim Wort- und Satzverstehen bestätigen die positiven Erfahrungen vergleichbarer spezialisierter Rehabilitationsangebote.
Antragstellung und Versorgungspfade im Fokus
Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung war der Austausch über die praktischen Rahmenbedingungen der CI-Hörrehabilitation in Österreich. Dabei wurden insbesondere Fragen zur Antragstellung, zu den aktuellen Versorgungswegen und zu den Möglichkeiten der stationären Rehabilitation diskutiert.
Die Rehabilitation nach Cochlea-Implantation kann heute im Rahmen der neurologischen Rehabilitation beantragt und durchgeführt werden. Mit der Aufnahme der stationären CI-Hörrehabilitation in den Österreichischen Rehabilitationsplan 2025 wurde dafür eine wichtige strukturelle Grundlage geschaffen.
Die Diskussion zeigte, dass die Einordnung der CI-Hörrehabilitation innerhalb des neurologischen Formenkreises in der Praxis vielfach noch Fragen aufwirft und entsprechender Informationsaustausch von großem Interesse ist. Entsprechend intensiv wurden die Voraussetzungen, Abläufe und Möglichkeiten der Antragstellung diskutiert.
Für Betroffene und zuweisende Ärztinnen und Ärzte ergibt sich daraus ein klarer Weg: Die Rehabilitation kann als stationäre neurologische Rehabilitation beantragt werden. Als gewünschte Rehabilitationseinrichtung kann die Privatklinik Laßnitzhöhe angegeben werden, die über ein spezialisiertes Angebot für erwachsene Cochlea-Implantat-Trägerinnen und -Träger verfügt.
Rehabilitation als unverzichtbarer Bestandteil der CI-Versorgung
Die Fortbildung machte deutlich, dass moderne Cochlea-Implantat-Versorgung weit über die Operation und technische Anpassung hinausgeht. Die stationäre CI-Hörrehabilitation stellt einen wichtigen Baustein innerhalb des gesamten Versorgungsprozesses dar. Sie ermöglicht eine intensive und koordinierte Begleitung jener Lern- und Anpassungsvorgänge, die notwendig sind, damit aus elektrischen Signalen wieder Sprachverstehen und sichere Kommunikation werden.
Erst das Zusammenspiel von HNO-Heilkunde, Neurologie, Logopädie, Psychologie, Musiktherapie und weiteren Therapieformen schafft die Voraussetzungen dafür, dass aus dem technischen Hörerfolg ein nachhaltiger Gewinn an Lebensqualität entsteht.
Die Fortbildung zeigte eindrucksvoll, dass moderne CI-Versorgung heute weit mehr bedeutet als Implantation und Technik. Sie umfasst einen langfristigen rehabilitativen Prozess, der Menschen dabei unterstützt, Hörvermögen, Kommunikation und gesellschaftliche Teilhabe bestmöglich wiederzugewinnen – ganz im Sinne des Veranstaltungstitels: vom Signal zum Sinn.







